Rezension Praxisbeiträge zum KMU-Management

Der kleine Sammelband ist Anfang Okober erschienen und umfasst schlanke 184 Seiten (Herausgeber: Bernd J. Schnurrenberger, unterstützt von Bettina Mohr und Franziska Teschke im Redaktionsteam). Direkt im Untertitel werden alle behandelten Themen aufgeführt: Wachstumsfinanzierung, Consulter-Auswahl, Change-Management, Cost Engineering, Online-Marketing & E-Commerce, Verkaufstraining.

Laut Hrsg. ist das Ziel des Bandes: „Impulse zu ausgesuchten Themen des KMU- und Mittelstandsmanagement liefern; von der Praxis – für die Praxis„. Weiter im Zitat: „Zielgruppe sind einmal Inhaber von kleineren bis zu mittelständischen Unternehmen (KMU), die alle Funktionen ihres Unternehmens im Blick behalten müssen und letztlich verantworten. Ebenso auch Gründer bzw. ambitionierte Berufseinsteiger, die sich einen Überblick zu relevanten Themen in der aktuellen Praxis verschaffen wollen. Auch für erfahrene Fachspezialisten mögen neuere Aspekte in ihrem Bereich von Interesse sein, man lernt ja nie aus.“

Im weiteren stellt der Herausgeber im knapp gehaltenen Vorwort „in launigen Worten“ die Beiträge bzw. Autoren vor, wir zitieren:

  • Geld ist nicht alles, aber ohne Geld geht vieles nicht. Daher zeigen uns Prof. Dr. Nick Dimler und Dr. Boris Karcher, Geschäftsführer der Dimler&Karcher Unternehmensberatung PartG, gleich zum Start auf, worauf es heute beim Thema Mittelstandsfinanzierung bzw. „Wachstumsfinanzierung“ ankommt.
  • Wer sich binden will, sollte vorher sorgfältig prüfen. Mit einem Praxisleitfaden „Consulter-Auswahl für KMU“ geben Prof. Dr. Bernd Schnurrenberger, Inhaber der BS-CONSULT Unternehmensberatung, sowie Bettina Mohr und Franziska Teschke Anregungen zur effzienten Vorgehensweise bei der Suche und Auswahl solcher Dienstleister.
  • Veränderungen gibt es immer und wird es immer geben. Und damit auch den Wunsch nach dem möglichst reibungslosen Management dieser Vorgänge, dem Veränderungs- oder Change-Management. Mit „#changeUps – in kleinen Schritten wirkungsvoll Veränderung gestalten“ zeigt uns Daniel Mewes vom Transformationsbegleiter und Human Relations Spezialisten Goldpark AG, wie das gelingen kann.
  • Kosten entstehen quasi ganz automatisch und haben sozusagen eine immanente Tendenz zum Wachstum. Umso wichtiger ist es, sie im Blick zu behalten und die Kostenstruktur zu optimieren, d.h. „Cost Engineering“ zu betreiben. Dazu kann Sebastian Möller, Inhaber der Imoran Cost Engineering UG, uns wertvolle Hinweise geben.
  • Ohne Internet geht in vielen Bereichen nichts mehr. Daher wächst auch der Stellenwert des professionell betriebenen „Online-Marketing & E-Commerce für KMU“. Prof. Dr. Bernd Schnurrenberger, BS-CONSULT Unternehmensberatung und vorher Produktmanager „E-Shops“ in zwei Internet-Startups, zeigt hierfür die wesentlichen Stellschrauben auf.
  • Technik hin, Technik her. In vielen Belangen bleibt doch die persönliche Kommunikation, der persönliche Verkauf und Vertrieb, der entscheidende Erfolgsfaktor. „Trainiere das verkaufen“ rät daher Gerd Hauer, langjähriger Vertriebsprofi und Leiter des Business Institut International zum Abschluss und gibt uns wertvolle Ratschläge, wie dies zu bewerkstelligen ist.

Das Besondere des Werks ist, dass hier nicht in erster Linie wissenschaftliche Beiträge gesammelt werden, sondern ausschließlich erfolgreiche Praktiker zu Wort kommen, die jeweils mehrjährige Berufserfahrung in ihrem Spezialisierungsgebiet vorweisen können – was nicht ausschließen soll, dass manche der Autoren auch wissenschaftlich tätig sind. Entsprechend weisen die Beiträge in stilistischer und formattechnischer Hinsicht auch ein (gewollt) vielfältigeres und individuelleres Bild auf, als man es von manch anderem Sammelband kennt.

Rezension Weissmann Die großen Strategien für den Mittelstand

„Die großen Strategien für den Mittelstand“ von Weissmann lockt mit dem vielversprechenden Untertitel „– Die erfolgreichsten Unternehmer verraten ihre Rezepte„. Dieses Ziel verfolgt der Autor durch intensive Gespräche mit erfolgreichen Unternehmern und Mittelständlern, deren Essenz in das Buch einfließt. Von der ersten Auflage 2006 bis zur – aktuellsten – dritten Auflage 2015 ist das Werk gewissermaßen moderat angewachsen, von knapp 200 auf knapp 240 Seiten. Neben Aktualisierungen (und weiteren Gesprächen) ist dafür nicht zuletzt der Ausbau des Kapitels zur Umsetzung von Strategien verantwortlich. Ein oftmals heikler Punkt im klassischen Strategischen Management! Inhaltlich startet der Autor mit grundlegenden Prinzipien, den „Erfolgsprinzipien einer Strategie“, als da u.a. wären:

  • Natur als Lehrmeister
  • Prinzip Darwins (Survival of the fittest bzw. Anpassung)
  • Lehren aus der Kybernetik
  • Ursachen und Wirkungen
  • Alleinstellung / eigenes Profil

Die folgenden Kapitel orientieren sich im Prinzip am klassischen Strategischen Management (Vision, Umfeld- und Eigensituations-Analyse, Geschäftsmodell, Strategie, strategisches Controlling und Implementierung/Umsetzung) . So gesehen stellt diese Konzeption nichts Neues dar sondern ist dem klassischen Management-Modell nachempfunden. Das Besondere des Werks besteht allerdings in der konsequent pragmatischen Gestaltung der Inhalte. Angefangen beim – alles andere als wissenschaftlich-hölzernen – Schreibstil, der Konzeptration auf nur wirklich wichtige Quellen (diese Literatur wird dann im Anhang genannt) und Inhalte („weniger Umfang ist mehr“) sowie dem „Einbau“ pragmatischer Leit- und Merksätze und vieler Praxisbeispiele in den Text: Eine wohlgelungene Adaption akademischen Wissens angereichert durch viel praktische Erfahrung. Geeignet nicht zuletzt für den Unternehmer, Manager, Praktiker, der dieses Buch wohl weit eher auf seinem Nachttisch platziert als manchen wissentschaftlichen „Wälzer“.

Rezension Held KMU- und Start-up-Management

Das Anfang 2020 bei Kohlhammer erschienene Werk erhebt den Anspruch, ein für die speziellen Belange von KMU und Start-Ups zugeschnittenes Management-Modell zu entwickeln, wobei der Fokus stark auf das strategische Management gelegt wird: „Strategisch planen und gründen in einer komplexen Welt“, lautet denn auch der Untertitel des Werks. Der Autor Holger Held sieht zwar grundlegende Unterschiede zwischen „typischen“ KMU (wo Stabilität eine wichtige Rolle spielt) und „typischen“ Start-Ups (wo Veränderung eine dominante Kategorie darstellt). Allerdings könnten beide „ihre Vorteile und Stärken in Einklang bringen“: Ein synergetischer Methoden-Mix könnte Vorteile für alle bergen (S. 31ff.).

In zwei weiteren eher einführenden Kapiteln befasst sich der Autor anschließend mit dem Thema der komplexen Umwelt bzw. den diese prägenden Mega-Trends (ca. 20 + 30 Seiten). In Kap. 4 werden dann klassische strategische Methoden dargestellt (symbolisch für die o.g. KMU stehend; ca. 70 Seiten). Darunter fällt auch der klassische Businessplan sowie ein von Held ab 2007 entwickeltes strategisches Planungsmodell für KMU (F-A-S-T – Faktor Mensch, Analyse, Struktur, Tun). Diesem Instrumentarium werden in Kap. 5 dann „moderne“ Methoden wie Canvas, Lean Management, Kreativitätstechniken, Design Thinking etc. gegenübergestellt (symbolisch für o.g. Start-Ups stehend; ca. 45 Seiten). In Kap. 6 werden diese beiden Welten dann „zusammengeführt“ (ca. 20 Seiten) und – sozusagen als Bonus – in Kap. 7 durch einen „Praxisbaukasten – 17 Tipps für Ihre strategische Planung und Umsetzung“ abgerundet (knapp 10 Seiten).

Das Besondere an Held´s Werk (der Leser ahnt es nach o.g. Ausführungen) ist die sehr gut strukturierte und systematische Zusammenführung des traditionellen strategischen Managements mit der Welt des Entrepreneurships – man könnte auch sagen: des Innovationsmanagements (denn nicht alles ist so neu, wie es sich manchmal gerne präsentiert). Auf dieser Basis entwickelt der Autor ein konkretes „Arbeitsprogramm“ für die strategische Planung in KMU und jungen Unternehmen. Ein insgesamt überzeugendes und sehr zu empfehlendes Werk, welches sich (ungefähr) in die Kategorie der Werke von Reinemann und Schnurrenberger einordnen lässt, jedoch konzeptionell einen weiteren – interessanten – Ansatz verfolgt: alte vs. neue Management-Welt im Vergleich zum Unternehmens-Lebenszyklus (Reinemann) bzw. Willensbildung – Willensdurchsetzung (Schnurrenberger).

Rezension Müller Unternehmensführung

Von Hans-Erich Müller, seines Zeichens Professor an der HWR Berlin, liegt sein Werk Unternehmensführung aktuell in 3. Auflage mit 355 Seiten vor. Diese – im Vergleich etwa zu Macharzina/Wolf oder Dillerup/Stoi – „überschaubarere“ Seitenzahl ist bewusste Intention des Autors, wenngleich auch bei ihm im Vergleich zur 1. Auflage von 2010 ein „Aufwuchs“ von beinahe 100 Seiten zu verzeichnen ist. Strukturell gliedert sich die aktuelle Fassung in einen einführenden Grundlagenteil (knapp 60 Seiten), ein Kapitel 2 Ziele (ca. 55 Seiten), 3. Strategien (ca. 105 Seiten), 4. Organisationsgestaltung (gute 80 Seiten) sowie abschließend 5. Internationale Strategie und Organisation (ca. 55 Seiten). Der oben erwähnte Aufwuchs verteilt sich relativ gleichmäßig auf die Kapitel 2-5 und ist im wesentlichen Einschüben zu neueren Themen bzw. Trends und Schlagworten (z.B. agile Methoden, Lean Startup, Geschäftsmodell-Innovation, Crowdsourcing) und Facetten der Digitalisierung zuzurechnen. So einige dieser Begriffe tauchen an verschiedenen Stellen immer wieder auf, was wohl auch an der Strukturierung liegen mag (welche ingesamt nicht so streng alles einem konsistenten Management-Modell unterordnet, wie bei anderen Autoren der Fall).

Stilistisch ist das Werk aufgrund der knapp und trocken auf den Punkt gebrachten Formulierweise sehr gut zu lesen. Wie Müller selbst schreibt, ist ein so breit gespannter thematischer Rahmen bei diesem eingeschränkten Seitenumfang nur mit Hilfe häufig eingesetzter Verweise zu vertiefender Behandlung von Subthemen abdeckbar, was gut ausbalanciert umgesetzt wird.

Das Besondere des Werks ist neben der ausdrücklichen Beachtung von Digitalisierungsthemen zweifelsohne die sehr umfassende Einbeziehung – teils 1-2 Seiten langer – Praxisbeispiele (insgesamt 52 an der Zahl, wie das eigene Verzeichnis verrät). Diese stellen damit ca. 1/7 des Buchumfangs und wecken oft Erinnerungen an über die Jahre gelesene Nachrichten aus dem Wirtschaftsteil einschlägiger Zeitungen. Denn kaum eine der erwähnten Firmen dürfte dem Leser unbekannt sein – es handelt sich beinahe ausschließlich um große Konzerne. Auch für Mittelstand und KMU können sich daraus natürlich ggf. Anregungen ergeben; allerdings steht die Übertragbarkeit in vielen Fällen wohl „in den Sternen“. Wenn man mit diesem mangelnden KMU- bzw. Mittelstands-Bezug leben kann, ist das Werk im Fazit eine sehr gut gemachte Arbeit, in der alle wesentlichen Themen der Unternehmensführung anschaulich abgedeckt werden.

Rezension Kirsch et al. Unternehmensführung

Das bereits 2009 erschienene Werk von Werner Kirsch, David Seidl und Dominik van Aaken erhebt – bereits im Untertitel – den Anspruch, Unternehmensführung aus evolutionärer Perspektive zu betrachten. Damit bezieht es sich ausdrücklich auf einen der grundlegenden theoretischen Ansätze des Management (wie dies bspw. auch Staehle auf den verhaltenswissenschaftlichen oder Macharzina auf den systemischen Ansatz tun).

Im Falle des evolutionären Ansatzes tun dies neben Kirsch et al. wiederum Dillerup/Stoi . Bei diesen allerdings nimmt der Leser des umfangreichen Werkes neben dem theoretischen Anspruch nur wenige Indizien für eine Prägung der Arbeit durch evolutionäre Prinzipien wahr (stattdessen eher klassische funktionale Gesichtspunkte). Langer Rede kurzer Sinn: Kirsch et al führen die „evolutionäre Perspektive“ zu Recht im Titel, da sich ihr Werk konsequent auf diesen rel. „modernen Ansatz“ ausrichtet.

Das Besondere des Buchs liegt neben o.g. Tatsache in der intellektuell anspruchsvollen und beinahe philosophisch angereicherten Umsetzung. Die Autoren steigen mit gut 50 Seiten zu „Unternehmensführung und die Illusion der Machbarkeit“ ein (Kap. 1), betrachten dann wiederum gut 50 Seiten „Ansatzpunke einer Professionalisierung“ (Kap. 2). Der „Handhabung von Entscheidungsproblemen“ werden dann in Kap. 3. ebenfalls ca. 50 Seiten gewidment, wobei auch Phänomene wie kognitive Dissonanzen oder Creeping Commitment angesprochen werden. Es folgt Kap. 4 mit expliziten Überlegungen zur „Möglichkeit einer evolutionären Führungskonzeption und dann gute 60 Seiten zum „weiten Feld des Strategischen“ in dem sich Unterkapitel mit Titeln wie „Strategy follows Themes follows Structure follows Strategy follows…“ finden.

Dem Kenner der Managementliteratur werden allein die zitierten Titel die spezifische Botschaft signalisieren. Es ist allerdings nicht so, dass klassische Themen von SWOT bis (eben) Strategy follows Structure bwz. vice versa nicht behandelt würden. Im Gesamten gehen die Autoren die Materie aber eher an, wie eine sehr unterhaltsame, da neue Blickwinkel ermöglichende Kamindiskussion unter „Eingeweihten“.

Rezension Becker/Ulrich (Hrsg.): BWL im Mittelstand

Der in 2015 in erster Auflage im renommierten Kohlhammer-Verlag von Wolfgang Becker und Patrick Ulrich herausgegebene Sammelband „BWL im Mittelstand – Grundlagen, Besonderheiten, Entwicklungen“ erhebt den Anspruch, „dass eine eigenständige mittelstandsorientierte Betriebswirtschaftslehre eine Daseinsberechtigung hat, die [reine; Anmerk. d. Rezensenten] Herunterskalierung der Lösungen von Großunternehmen wird dem Mittelstand nicht gerecht“ (S. 14, aus dem Vorwort der Herausgeber). Auf mehr als 800 Seiten wird im folgenden der großangelegte Versuch gemacht, diesen Anspruch mit konkretem Inhalt zu untermauern. Man darf gleich an dieser Stelle vorwegnehmen – und das ist auch das Besondere an diesem Werk – der nicht geringe Anspruch wird in großen Zügen erfüllt!

Das Handbuch startet mit einem gut 130seitigen grundlegenden – auch volkswirtschaftliche Aspekte berücksichtigenden – Einführungsteil zur o.g. „Entwicklung einer Mittelstandsorientierten BWL„, wobei bereits auch Themen wie „Hidden Champions“ und spezielle Geschäftsmodelle behandelt werden. Die folgenden beiden Teile orientieren sich dann am bewährten Wertschöpfungsmodell.

Teil 2 widmet sich auf gut 110 Seiten in Beiträgen verschiedener Autoren folglich der Mittelstandsorienteren BWL in primären Bereichen von Beschaffung, Einkauf, Produktion und Supply Chain, Six Sigma, Logistik, Marketing und Vertrieb sowie Employer Branding bzw. Personalmarketing. Teil 3 widmet sich folgend den unterstützenden bzw. sekundären Bereichen der Wertschöpfung, die da wären: Personal bzw. Personalcontrolling, Change Management und Mitarbeiterbeteiligung, Controlling in mehreren Facetten, genau wie Finanzierung incl. der Position des CFO (Chief Financial Officer) im KMU. Beiträge zur Informationstechnologie, Digitalisierung und Business Intelligence runden diesen ca. 210 Seiten umfassenden Teil ab.

Den – vom reinen Umfang her – Löwenanteil mit knapp 400 Seiten beansprucht Teil 4, welcher mit „Übergreifende Themen der Mittelstandsorientierten BWL“ auch recht offen tituliert ist. Hier finden sich speziellere Aspekte behandelt, zu Gruppen zusammengefasst mit folgenden Ausrichtungen: Strategisches Management und Unternehmensführung, Rechnungslegung, Steuerlehre und -optimierung, Mergers & Acquisitions, Sanierung und Restrukturierung, Ethik und Corporate Governance und Compliance sowie abschließend Nachfolge- und Fremdmanagement.

Wie immer bei Sammelbänden – sehr umfangreichen noch dazu – lässt sich ein gewisses Maß an Heterogenität zwischen den Beiträgen nicht vermeiden. Gleichwohl verbleibt das Fazit sehr positiv: Das Handbuch kann durchaus den vielzitierten „Vorgänger“ der Herausgeber Letmathe et al. (Management kleiner und mittlerer Unternehmen von 2007) „das Wasser reichen“.

Rezension Schauf (Hrsg.) Unternehmensführung im Mittelstand

Der von Malcom Schauf herausgegebene Sammelband „Unternehmensführung im Mittelstand“ erschien zwar letztmalig bereits 2006 (in zweiter Auflage, allerdings nur als Nachdruck der ersten Auflage), ist aber doch nach wie vor eine erwähnenswerte Quelle. Die auf eine eher allgemein und grundlegend / definitorisch orientierte Einführung (Grundlagen) folgenden, insgesamt 6 Beiträge fokussieren auf Themen, welche als besonderes relevant angesehen werden. Dies wäre im einzelnen

  • Internationalisierung (ca. 30 Seiten)
  • Strategisches Management (knapp 60 Seiten)
  • Marketing (ca. 40 Seiten)
  • E-Business (ca. 35 Seiten)
  • Personalführung und Organisation (ca. 45 Seiten)
  • Insolvenz- und Krisenmanagement (ca. 30 Seiten)

Wie immer bei Sammelwerken, schwankt aufgrund wechselnder Autoren ein wenig die Qualität. Das Besondere ist (neben dem wie öfter schon erwähnt eher seltenen) Mittelstandsbezug) der Ansatz, hier einen Fokus auf Bereiche zu legen in denen rel. viele Veränderungen stattfinden, welchen die Aufmerksamkeit „des Chefs“ also in besonderem Maße gelten sollte. Nicht immer wird allerdings in den Beiträgen deutlich, worin der besondere Mittelstandsbezug liegen soll, bzw. kann es werden, da z.B. ein Marketing-Mix prinzipiell ein Marketing-Mix bleibt, egal, ob KMU oder Konzern es planen.

Rezension Staehle Management

Ob ein Werk zum wahren Klassiker taugt, merkt man erst, wenn der „Reiz der Neuheit“ verflogen, die letzte Auflage länger zurück liegt – und dennoch weiter darüber gesprochen wird. Nun liegt die letzte, die 8. Auflage von „Management: Eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive“ von Wolfgang H. Staehle unterstützt durch die Autoren Peter Conrad und Jörg Sydow zwar noch nicht 2.500 Jahre zurück wie SunTsu´s „Die Kunst des Krieges“ sondern datiert auf das Jahr 1999 (immerhin auf das letzte Jahrhundert, wenn man so will). Gleichwohl ist das für ein Werk, welches stets den Stand der (unversitären) einschlägigen Managementforschung verlässlich abbildete eine lange Zeit.

Nun befeuert der renommierte Verlag Vahlen nach wie vor unsere Hoffnung auf aktualisierte Neuauflage – doch ach, die Berliner Autoren scheinen nicht nur Sitz und Standort mit dem BER gemein zu haben, sondern auch die Ankündigungspolitik, denn geplante Erscheinungstermine werden seit Jahren regelmäßig nach hinten verschoben (aktuell auf 31. Dezember 2020 2022). Wir hoffen weiter!

Das Besondere am Klassiker „Staehle“ ist die konsequente und fruchtbare verhaltensorientierte Perspektive auf Management und Führung mit sehr solider und breiter Fundierung. Die Qualität zeigt sich daran, dass die letzte Auflage von 1999 sich weiter verkauft. Eine Aktualisierung v.a. unter Einbeziehung der mittlerweile aufgekommenen Neuro-Forschung wäre natürlich schön, auch wenn anderweitig publizierte Ergebnisse keine grundlegenden Umwälzungen alter verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse erwarten lassen. Angekündigt ist eine um hundert auf 1.200 Seiten wachsende 9. Auflage.

Rezension Rahn Unternehmensführung

Horst-Joachim Rahn kann ebenfalls als „Veteran“ der Genre-Literatur bezeichnet werden (seit kurzem verstärkt durch Svenja Mintert). Sein „Unternehmensführung (Kompendium der praktischen Betriebswirtschaft)“ erreicht 2019 immerhin schon die 10. Auflage mit saturierten 600 Seiten (bei der 7. Auflage 2011 waren es auch nur 3 Seiten weniger). Das Werk deckt (ebenfalls) ein weites inhaltliches Spektrum ab, kommt u.a. durch einen auffallend knapp-präzisen bzw. beinahe lakonischen Sprachstil jedoch mit deutlich weniger Seitenaufwand aus, als dies der Fall wäre, wenn andere Autoren sich derselben Aufgabe annähmen. Der Autor hat eine auf den ersten Blick evtl. etwas technisch-sperrig wirkende Systematik entwickelt, welche allerdings konsequent und stringent über alle Themen hinweg exerziert wird, so dass beim Leser alsbald Gewöhnung eintritt.

Das Besondere an dem Werk ist einmal seine Berücksichtigung der Besonderheiten von Führung in funktionalen Bereichen des Unternehmens (Produktion, Marketing etc.), welche sich so bei anderen Autoren nicht findet, da diese eher die oberste Spitze im Blick haben. Weiter fällt die sehr pragmatische Herangehensweise des Autors sehr positiv auf. Hier wird klar, dass jemand schreibt, der „einen Fuß auch in der Praxis“ hat: Bspw. bei der griffigen Beschreibung von Mitarbeitertypen, wie man sie aus der betrieblichen Praxis bzw. „dem echten Leben“ kennt, und deren sinnvoller „Behandlung“ durch die Führung, womit er sofort umsetzbare und vielversprechende Rezepte für die Personalführung liefert.

Rezension Dillerup/Stoi Unternehmensführung

Obwohl „erst“ seit 2006 am Start – und damit quasi Nachzügler bzw. „Folger“ in Relation zu den Klassikern Macharzina und Steinmann/Schreyögg – liegen Ralf Dillerup und Roman Stoi mit ihrer 5. und neuesten Auflage von „Unternehmensführung: Management & Leadership – Strategien – Werkzeuge – Praxis“ (2016) doch mittlerweile „ganz gut im Rennen“. Auch diese beiden Autoren wagen sich an den „ganz großen Wurf“ – von der 1. Auflage mit 792 Seiten ist das Werk bis heute auf stolze 1.079 Seiten angewachsen.

Thematisch bespielen die beiden Baden-Württemberger die „ganze Bandbreite“: Von den Grundlagen der Unternehmensführung über Normative und Strategische Unternehmensführung, Planung und Kontrolle, Organisation, Personal, Informationsmanagement bis zu Ausrichtungen der Unternehmensführung ist sozusagen alles dabei.

Das Besondere an dem Werk ist neben o.g. Bandbreite sicher auch die Prägung aufgrund „Verwurzelung“ der Autoren in (dualen) Hochschulen eines Bundeslandes mit starkem (auch größerem) Mittelstand, ohne dass allerdings ein explizit KMU-bezogener Ansatz verfolgt würde wie etwa bei Reinemann oder Schnurrenberger. Weiter zeigt sich im Vergleich zu anderen Büchern eine gewisse Affinität für das Rechnungswesen bzw. quantitativ orientierte Techniken. Nicht zuletzt sei auf die „flankierenden“ Fallstudiensammlungen „Praxis der Unternehmensführung“ (2007) und die (teils) darauf aufbauenden „Fallstudien zur Unternehmensführung“ (2012) verwiesen. Mit 392 bzw. 561 Seiten anschaulicher Praxisfälle gehen diese Sammlungen weit über das übliche Niveau von „Übungsbüchern“ hinaus.